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Hände weg von Jungvögeln

Hilflos sehen sie aus. Noch nicht flugtauglich hüpfen sie durch die Gegend und stoßen klägliche Laute dabei aus. Dies wird von Menschen oft falsch interpretiert und der Jungvogel wird eingesammelt. Alleine im Münchner Tierheim landen jährlich durch falsch verstandene Tierliebe über 400 Jungvögel. Doch der Schein trügt. Die vermeidlich hilflosen Tiere sind in der freien Natur besser aufgehoben als in Menschenhand. Die kläglichen Rufe sind kein Hilfeschrei sondern Bettelrufe, durch die sie mit den Eltern in Verbindung stehen. Die Jungvögel werden in der Phase des „Flüggewerdens“ weiterhin durch die Eltern versorgt und die verfügen über vielerlei Ablenkungsstrategien gegenüber Raubtieren wie z. B. Katzen oder Marder. In Menschenhand sinken die Überlebenschancen drastisch. Menschen sind nicht in der Lage die Fütterungsqualität der Eltern auch nur annähernd zu erreichen. Jungvogelaufzucht bedeutet eine komplizierte rund um die Uhr Betreuung und ist nichts für Laien. Aber wie richtig verhalten, wenn der „hilflose“ Vogel auf der Wiese sitzt? Zuerst einmal beobachten und vor allem Abstand halten. Elternvögel gehen nicht in die Nähe des Jungvogels wenn der Mensch daneben steht. Ist der Vogel verletzt oder das Nest zerstört, bedarf der Jungvogel der Hilfe. Dann und nur dann darf er in menschliche Obhut. Ein Jungvogel ist kein Haustier und durch das Artenschutzgesetz geschützt.

Es lässt sich jedoch nicht vermeiden, dass auch echte Notfälle auftreten, z.B. Unwetter, Hochwasser, Baumaßnahmen und Zerstörung der Nistplätze durch Beutegreifer. Wenn man einen jungen Vogel aufziehen will, muss man zuerst feststellen, zu welcher Art er gehört. Hier beginnt für den Laien schon die erste Schwierigkeit.

Generell kann gesagt werden: Vögel mit einem feinen spitzen Schnabel gehören zu der Gruppe, die sich von Insekten ernährt. Vögel mit kurzem, stumpfen und auch dickerem Schnabel gehören zur Gruppe die sich von Körnern ernährt. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: So ernährt der Haussperling (Spatz) seine Brut hauptsächlich mit Insekten. Wie sie sehen, ist es für den Laien sehr schwierig die Gattung absolut sicher zu bestimmen.

Wenn sie also der Meinung sind, einen absoluten Notfall gefunden zu haben, den Sie in das Tierheim bringen möchten, ist das wichtigste die Wärmezufuhr. Nackte Jungvögel sind nämlich nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur selbst zu regulieren.

Damit der Jungvogel gut behalten im Tierheim ankommt, benötigen sie ein Ersatznest. Hier hilft ein kleiner runder Korb oder ein Blumentopf. Dieses "Nest" kann mit Papiertüchern gefüllt werden. Watte, alten Lappen oder Holzwolle ist ungeeignet, da sich der Jungvogel schlimmstenfalls damit strangulieren kann.

Anbei noch ein paar Tipps, wenn Sie einem Vertreter der Arten, die am häufigsten in das Tierheim gebracht werden, begegnen:

Mauersegler, Schwalben
Junge Mauersegler und Schwalben werden von den Eltern nur im Nest gefüttert. Kann man sie nicht vorsichtig dorthin zurücksetzen, muss man die Aufzucht einem Fachmann überlassen. Junge Mauersegler erkennt man an ihrem schwarzen Federkleid, das am Kopf und an den Schwingen mit weißlichen Federsäumen versehen ist. Auffallend ist auch die große Mundspalte, und auch die großen vierzehigen Klammerfüße mit spitzen, schwarzen Krallen lassen den Mauersegler erkennen. Das Gefieder ganz junger Tiere schimmert bläulich-schwarz. Mauersegler haben einen leicht nach unten gebogenen Schnabel, wogegen der Schnabel von Schwalben nicht gebogen, sondern spitz ist. Der Mauersegler darf nicht in die Luft geworfen werden. Ist er voll flügge, wird er nämlich von selbst von der ausgestreckten Hand abspringen. Genauso, wie er von seinem Nistplatz in den freien Luftraum abspringt. Es folgt eine Tiefflugphase, aber bald zieht der Mauersegler nach oben und ist schnell den Blicken entschwunden. Sollte er sitzen bleiben, muss man es einige Tage später noch einmal versuchen. Daher sollte der Mauersegler in Gebieten freigelassen werden, in denen man ihn wieder finden kann. Sollten sie einen ausgewachsenen Mauersegler am Boden liegend finden, versuchen Sie erst die Möglichkeit des Auffliegens und bringen sie ihn erst dann ins Tierheim oder in die Vogelklinik wenn er wirklich nicht mehr fliegen kann. Mauerseglern oder Schwalben ist es nämlich nicht möglich vom Boden aus zu starten.

Rabenvögel
Hier muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass sich alle von Hand aufgezogenen Rabenvögel derart auf den Menschen fixieren, dass eine Auswilderung fast unmöglich wird. Anfangs sind sie ja sehr possierlich und richten allerlei Unfug an. Später aber werden sie lästig, verschmutzen Garten und Wohnung und der Vogelpfleger sucht händeringend nach einem guten Pflegeplatz. Man sollte also, bevor man einen Jungvogel aufnimmt überlegen, ob er in der freien Natur nicht besser aufgehoben ist.

Vom Gesetzgeber ist ein Wildvogel geschützt! Ihn auf Dauer zu behalten stellt eine Straftat dar!


Aufzucht und Fütterung von Jungvögeln
Wenn man einen jungen Vogel aufziehen will, muss man zuerst feststellen, zu welcher Art er gehört. Hier beginnt für den Laien schon die erste Schwierigkeit. Generell kann gesagt werden, dass Vögel mit einem feinen spitzen Schnabel zu einer Gruppe gehören, die sich von Insekten ernährt, während Vögel mit kurzem, stumpfen und auch dickerem Schnabel in eine Gruppe einzuordnen sind, die sich von Sämereien ernährt. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. So ernährt z. B. der Haussperling seine Brut hauptsächlich mit Insekten.


Anbei finden Sie ein paar sehr allgemein gehaltene Hinweise zur Jungvogelaufzucht. Bitte kontaktieren Sie unabhängig davon noch das nächste Tierheim oder die Vogelklinik in Oberschleißheim Tel.: 089 2180 76070 Im Notfall: 0162 2568642 Infos finden Sie auch unter http://www.nabu.de


Nackte Jungvögel sind nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur selbst zu regulieren. Sie benötigen Tag und Nacht eine Wärmequelle, die die Mutter ersetzt und ein Ersatznest. Das ist schnell mit einem kleinen Korb oder einem Blumentopf hergestellt. Das Nest mit Papiertüchern füllen und fertig ist die neue Unterkunft. Watte, langfasrige Lappen und Holzwolle sind ungeeignet. Schlimmstenfalls kann sich der junge Vogel damit strangulieren. Sollten Sie den Jungvogel mit seinem Nest haben, bitte das Nest vernichten, die meisten Nester sind voller Milben. Als Wärmequelle kann ein Infrarotstrahler oder wenn vorhanden ein Infrarotdunkelstrahler verwendet werden. Eine 40-Watt-Glühlampe leistet aber auch gute Dienste. Die Wärmequelle wird über dem Pflegling angebracht. Die Temperatur darf 38 Grad nicht überschreiten und muss regelmäßig kontrolliert werden. Ist es dem Vogel zu warm, wird er nach Luft hechelnd den Schnabel öffnen. Der Vogelkörper darf sich auch nicht kalt anfühlen. Keine Ultraviolettstrahlung verwenden, diese kann Verbrennungen verursachen. Sind die Vögel etwas älter aber noch nicht voll flügge, das Kunstnest mit einem Käfig abdecken. So kann ausgeschlossen werden, dass die Pfleglinge, die jetzt schon gut klettern können, plötzlich im Zimmer umherhüpfen, sich hinter Schränke setzen, oder sogar totgetreten werden


Fütterungsabstände
Je nach Alter sind die Fütterungsabstände unterschiedlich. Nackte Vogeljunge erhalten halbstündlich, größere stündlich oder alle zwei Stunden ihre Futterration. Der Vogelpfleger merkt sehr schnell, ob die Kleinen noch hungrig sind, denn ihr forderndes Piepen ist kaum zu überhören.


Der Kontakt mit dem Jungvogel
Wenn der Kleine groß geworden ist, muss er zurück in die Natur. Um ihm das zu erleichtern und um ihn nicht unnötig auf Menschen zu prägen, was später übel für ihn ausgehen kann, ist jeder Kontakt außerhalb der Fütterungszeiten zu vermeiden. Vom Gesetzgeber ist ein Wildvogel geschützt! Ihn auf Dauer zu behalten stellt eine Straftat dar! Wenn sich das Gefieder voll entwickelt hat, ist es Zeit Abschied zu nehmen. Stellen Sie den Vogel in einem Käfig an einen freien und vor Fressfeinden geschützten Platz. Nach einigen Tagen können Sie die Türe öffnen aber bitte noch weiterhin Futter bereitstellen. Mit etwas Glück wird die Auswilderung klappen. Im Gegensatz zu allen anderen Vögeln, die eine gewisse Ausgewöhnungszeit benötigen, ist der Mauersegler sofort nach dem Ausfliegen selbständig. Ist der Zeitpunkt zum Ausfliegen gekommen, wird der Vogelpfleger feststellen, dass der Mauersegler zunehmend unruhiger wird. Er schlägt mit den Flügeln, versucht, aus seinem Behältnis zu entkommen, und schließlich verweigert er die Futteraufnahme


Schwäne, Enten
Man füttert Limikolenfutter oder ein Fertigfutter für Weichfresser, Haferflocken, Sämereien, Mehlwürmer und andere Insekten. Außerdem viel klein geschnittenes Gras, Löwenzahn, Vogelmiere und Kresse.


Insektenfresser
In jedem guten Zoogeschäft sind lebende Grillen erhältlich. Man vermischt 2/3 Grillen mit 1/3 Tartar. Diese friert man ein und taut sie zum Verfüttern Portionsweise auf. Sind keine Grillen vorrätig, wird eine Futtermischung aus dem käuflichen Futter für empfindliche Weichfresser hergestellt. Dieses Futter wird mit etwas Magerquark und gekochtem Eigelb vermischt. Vorsicht! Es besteht Gefahr, dass damit Schnabel und Kopffedern des Pfleglings verkleben. Unter anderem eigenen sich frisch gehäutete Mehlwürmer, die an der weißen Farbe zu erkennen sind. Eine ausschließliche Mehlwurmfütterung ist nicht zu empfehlen, da sie zu Mangelerscheinungen und Gefiederschäden führen kann. Vor dem Verfüttern den Kopf des Mehlwurmes entfernen. Er hat Widerhaken, diese können sich in der Kehle des Jungvogels zu Verletzungen führen. Es können auch Fliegenmaden verfüttert werden. Man erhält sie in Angelfachgeschäften. Vogelpfleger, die schon im Voraus wissen, dass sie Vogelkinder erhalten, sollten schon im Frühjahr etwa ein halbes Pfund Angelmaden kaufen. Diese Maden werden in einem Behälter untergebracht, der mit Luftschlitzen versehen ist. Nach einigen Wochen haben sich Fliegen entwickelt. Sie werden mit dem Behälter eingefroren und lassen sich dann Portionsweise entnehmen, ohne dass man befürchten muss, dass sie in der Wohnung umherbrummen. Mit Vitaminen angereichert, sind sie ein gutes und verträgliches Aufzuchtsfutter. Drohnenbrut (Imker) kann auch verfüttert werden. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Brut weder zu weich noch zu hart ist. Das beste Entwicklungsstadium ist jenes, wenn sich die Köpfe der Brut schon etwas lila verfärbt haben. Ist die Drohnenbrut zu weich, könnte sie die Schnäbel der Vögel verkleben. Erfahrungswerte belegen, dass sich empfindliche Insektenfresser durch eine ausschließliche Fütterung mit Grillen am besten entwickeln.


Körnerfresser
Kernbeißer, Dompfaff, Stieglitz, (Distelfink), Grünfink und andere Finkenarten zieht man am besten mit einem im Zoohandel erhältlichen Aufzuchtsfutter groß. Geeignet ist besonders das Aufzuchtsfutter für Wellensittiche und Kanarienvögel. Auch Beoperlen, mit heißem Wasser übergossen, erkaltet und aufgequollen, bringen gute Aufzuchtsergebnisse. Beoperlen eignen sich besonders gut als Nahrung für junge Amseln, Spatzen und als Zusatzfutter für alle anderen Körnerfresser. Amseln erhalten zusätzlich Regenwürmer. Sind diese nicht vorhanden, kann man auch jene Regenwürmer verwenden, die zum Angeln benutzt werden. Das in den Zoohandlungen fertig käufliche Futter für die Aufzucht von Wellensittichen oder Kanarienvögel wird mit lauwarmem Wasser zu einem sämigen Brei gemischt. Vitamin- und Kalkzusätze nicht vergessen!


Tauben
Junge Tauben sind leicht an dem noch weichen Schnabel und der wulstigen Erhöhung über dem Schnabel zu erkennen. Selbst wenn sie schon gut befiedert sind, kann man besonders im Nacken, noch gelbliche Daunenfedern sehen. Da sie nicht sperren (Schnabel aufreißen) wie z.B. Amseln, muss man zum Füttern ganz vorsichtig den Schnabel öffnen. Am besten nimmt man die Taube auf den Schoß, wickelt sie in ein Handtuch bis nur noch der Kopf zu sehen ist, und gibt langsam mittels einer Einwegspritze den Futterbrei ein. Man drückt diesen Brei in den Schlund der Taube, bis sich der Kropf fühlbar gefüllt hat. Eine Fütterung am Morgen und eine am Abend reichen aus. Einige Tropfen Wasser nachgeben. Nach etwa zwei Wochen wird die Taube mit einer Fünfkornmischung (Reformhaus) gefüttert. Die Körner werden über Nacht eingeweicht. Man nimmt sie dann zwischen Daumen und Zeigefinger und mit viel Geduld gibt man sie der Taube ein. Immer vorsichtig, damit der weiche Schnabel nicht einreißt


Rabenvögel
Rabenkrähen, Saatkrähen, Dohlen, Eichelhäher und Elstern. Hier verwendet man zur Aufzucht Rindfleischstückchen, Rinderherz und Leber, Tauben-, Kaninchen- u. Kalbfleisch. Man füttert alle zwei Stunden. Bei älteren Jungvögeln genügen 2 - 3 Fütterungen täglich. Man hält am besten die Nahrung vor den Schnabel des Pfleglings oder fährt damit an den Schnabelrändern entlang. Bald hat der Vogel begriffen und wird zuschnappen. Da diese Vögel so genannte Allesfresser sind, kann man auch Hunde- und Katzendosenfutter mit Erfolg verwenden


Greifvögel und Eulen
Für diese Vogelarten gelten besondere gesetzliche Bestimmungen. Sollten Sie einen Greifvogel finden, so wenden Sie sich bitte sofort an das nächste Tierheim oder an eine Tierklinik.
Falsche Jungvogelaufzucht führt in den meisten Fällen zum Tod oder bleibenden Schäden. Wenn Sie sich nicht absolut sicher sind oder keine Routine haben, wenden Sie sich an das nächste Tierheim oder die Vogelklinik Oberschleißheim Tel.: 089 2180 76070 Im Notfall: 0162 2568642
Infos finden Sie auch unter: http://www.nabu.de


Auch Eichhörnchen gehören im Frühling zu den Findelkindern!  Hier haben wir einen Link, der Sie umfassend über dieses Thema informiert! Besuchen Sie diese Seite einfach mal!

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