Tierschutzverein München e.V.
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Ignaz PernerDrucken
Anwalt der Menschen wird zum Anwalt der Tiere
Als am 3. Juli 1796 Anna Maria Perner, geborene Lechner, Tochter eines Hafenaufsehers aus Rosenheim einen gesunden Jungen – als zehntes von elf Kindern – gebar, ahnten weder sie noch ihr Mann Johann Georg Perner, Gerichtsdiener im Landgericht, dass dieses Kind viele Jahre später Weltberühmtheit erlangen würde. Aber vorerst verlief alles ganz gewöhnlich. Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb der Vater eine kleine Gastwirtschaft. Im Herrle-Haus, dass sog. Benefiziatenhaus, heute Ignaz-Perner Straße 10 in Ebersberg. Hier lebte er mit seiner Ehefrau und den sieben Mädchen und vier Buben. Später verlegte er sein Geschäft auf den Marienplatz zum Neuwirt. Über die Familie ist wenig bekannt. Großvater Perner war auch Gerichtsdiener, Ignaz’ Perners ältester Bruder, Johann Georg, wirkte von 1814 bis 1817 in Ebersberg als Pfarrvikar, Bruder Johann Nepomuk erwarb das Hofwirtsanwesen (das heutige Rathaus). Eine Schwester heiratete Dr. Hackl, Mitstifter der „Bavaria“.
Des kleinen aufgeweckten Ignaz nahm sich schon früh der mit der Familie befreundete Pfarrer Kuffner aus Frauenneuharting an und erteilte ihm Unterricht. Später kam er nach München auf das Wilhelmsgymnasium, welches er 16-jährig mit Auszeichnung beendete. Diese Zeit war wohl die schwerste seines Lebens. Weil ihn die Eltern kaum unterstützen konnten, kam es oft vor, dass er „5 Kreuzer und ein Stück Brod“ vom nahen Kloster vor dem Sendlinger Tor abholen musste, um den Hunger zu stillen.
1812 immatrikulierte er an der Universität Landshut, um Philosophie und Jura zu studieren und erlangte in beiden Fächern den Doktorgrad. Auch während dieser Zeit musste er seinen Lebensunterhalt mit Nachhilfeunterricht aufbessern, da das Stipendium nicht ausreichte.
Der Student Perner verstand es, das Studienleben voll auszukosten, er galt als sehr mutig und etwas verwegen. Sein Organisationstalent konnte er unter Beweis stellen, als er in die Verbindung Corps Bavaria als Consenior eintrat. Bald schon bekleidete er das höchste Amt, das des Seniors. Seine Kameraden und er hatten allerdings des Öfteren Ärger mit der Polizei, bis der Nachweis erstellt wurde, dass diese Verbindung weder gefährliche politische Tendenz noch in Zusammenhang zu bringen war mit anderen unerwünschten Geheimgesellschaften. 1817 schloss Ignaz Perner seine Studien endgültig ab und hatte in kurzer Zeit die Prüfung für den Staatsdienst in Händen. Aus der folgenden Amtszeit ist wenig bekannt, da sein Personalakt im 2. Weltkrieg ein Opfer der Flammen wurde und leider auch sein Tagebuch aus späterer Zeit, das er akribisch führte, verloren ging. Er schrieb über diese Jahre, dass er als „Protokollist, Assessor, Stadt- und Kreisgerichts-, Wechsel- und Merkantilgerichtsrath bei verschiedenen Ämtern…“ gearbeitet hat.
1823 wurde er von Landshut nach München versetzt. Hier wurde Perner dann 1828 selbständiger Advokat und konnte bald ganz große Erfolge verzeichnen. In seiner Kanzlei saß Arm und Reich, Bürgertum und Adel, Bettler und Prinzen; Menschen aller Konfessionen erbaten seinen Rechtsbeistand und er wurde bald so reich, dass er 35-jährig daran denken konnte, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Sein nächstes Arbeitsfeld verlegte er in die Stadt Hof, wohin er durch einen Wohnungstausch kam. Kurz darauf erhielt er den Titel „königlicher Hofrat“.
Endlich selbständig, reiste Perner nun durch Europa. Mehrere Sprachen fließend sprechend studierte er vor Ort das Leben verschiedener Nationalitäten, wohnte in einfachen Gasthäusern und verwendete jedes sich bietende Verkehrsmittel um leichter Kontakt zu den Menschen zu haben. In diesen Jahren müssen wohl einschneidende Erlebnisse Perner beeinflusst haben, denn nun begann ein weltprägender Abschnitt in seinem Leben. Nicht nur den Menschen, auch die vernachlässigte Tierwelt nahm er unter seinen Schutz.
Die Idee des Tierschutzes war wohl nicht unbekannt bis dahin, gab es doch in London ähnliche Ansätze, aber einschneidend war Perners konsequente Vorgehensweise. Fortan lautete seine Devise, sich den gequälten und missbrauchten Tieren anzunehmen, deren kämpfender Anwalt zu werden und seine großen Einflüsse, Rechtsmittel sowie materiellen Möglichkeiten – mit Einsatz seines Privatvermögens – vollends auszuschöpfen, um sich dieser Arbeit bis zu seinem Lebensende zu widmen. Dazu aber brauchte er einen Verein. Die erste öffentliche Gründungsversammlung des „thierschützerischen Vereins“ fand am 9. Dezember 1841 unter seinem Vorsitz statt. Und dann ging’s Schlag auf Schlag. Am 10. März 1842 bildete sich der „Münchner Verein gegen Thierquälerei“, dessen Statuten revolutionär waren. Ohne Unterschied des Geschlechts konnte jeder bei Erreichen des 18. Lebensjahres eintreten, allerdings mit einer, uns heute nicht mehr fassbaren Einschränkung: Frauen durften an den Generalversammlungen nicht teilnehmen.
Auch gegen Verhöhnungen und Gegenbewegungen musste Perner seinen Standpunkt anfangs schwer behaupten. Durch Verbreitung tausender Druckschriften, in viele Sprachen übersetzt und in die ganze Welt versandt, begann er die Kampfansage gegen untierische Viehtransporte, Schlachtmethoden und Stierkämpfe. Von 4.000 Mitgliedern im Jahre 1845 bei 126 Filialvereinen erreichte er innerhalb weniger Jahre, 1848, die stolze Zahl von 5.200 Eingetragener bei 158 Filialen.
Perner ging soweit, dass er den Verzehr von Pferdefleisch empfahl, da man zu damaliger Zeit nur die Tiere pflegte und achtete, die verspeist wurden.
Die Krönung seiner Arbeit erhielt er durch Verleihung des Ritterkreuzes des königlichen Verdienstordens vom Heiligen Michael, damals die höchste Auszeichnung, die ein Bürgerlicher erhalten konnte.
Starke Sehstörungen und verschiedene Krankheiten zwangen ihn, sich 68-jährig langsam zurückzuziehen. Der Tierschutzverein stiftete 1866 eine Perner Medaille für verdiente Tierschützer, die dem Namensgeber als erstem Aktiven verliehen wurde.
Am 16. Februar 1867 erlag Hofrat Dr. Ignaz Perner, der nie verheiratet war, 71-jährig in seiner Wohnung am Gärtnerplatz einem Schlaganfall. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Münchner Südfriedhof, Ecke des Gräberfeldes 37. Auf seinem Grab steht ein mächtiger, pyramidenförmiger Grabstein mit einer Büste von Professor Halbig mit der Aufschrift: „Dem edlen Förderer wahrer Humanität“. An seinem Geburtshaus wurde 1987 eine Gedenktafel angebracht.
Autor: Antje M. Berberich, Stadtarchiv Ebersberg, 1996
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